Forschergeist trifft Weltall
Wie viel Europa steckt in der deutschen Raumfahrtpolitik? Wer europäische Zusammenarbeit verstehen will, findet selbst im Weltall reichlich Forschungsstoff. Aber auch internationale Verträge können zeigen, wie eng nationale Möglichkeiten und europäische Ziele miteinander verbunden sind.
Zwei Dissertationen haben diese Zusammenhänge untersucht und wurden in dieser Woche im Straßburger Rathaus mit dem Pierre-Pflimlin-Dissertationspreis und dem Sonderpreis der Jury ausgezeichnet.
Den Hauptpreis erhielt Bastien Rostan von der Universität Aix-Marseille. Seine Arbeit setzt dort an, wo die Union gemeinsame Ziele verfolgt, die dafür nötigen völkerrechtlichen Instrumente aber bei ihren Mitgliedstaaten liegen. Diese können beispielsweise internationale Abkommen schließen, um europäische Anliegen voranzubringen. Rostan untersucht, welche Verpflichtungen sich dabei aus dem Grundsatz der loyalen Zusammenarbeit ergeben. Eine juristische Frage mit politischer Tragweite: Wie verlässlich können gemeinsame Ziele verfolgt werden, wenn ihre Umsetzung von nationalem Handeln abhängt?
Den Blick auf die deutsche Raumfahrtpolitik richtet Lise Dubois von der Universität Jean Moulin Lyon 3, die den Sonderpreis der Jury erhielt. Sie zeichnet deren Entwicklung zwischen 1982 und 2010 nach. Dabei untersucht sie, wie äußere Anforderungen und schrittweise Anpassungen die Politik im europäischen Rahmen geprägt haben. Ihre Forschung hilft damit auch, Möglichkeiten und Grenzen einer Entwicklung zu verstehen, die ohne durchgehenden politischen Gesamtentwurf voranschreitet.
Der Namensgeber des Preises hat die europäische Einigung selbst über Jahrzehnte mitgestaltet. Pierre Pflimlin war langjähriger Bürgermeister von Straßburg, von 1984 bis 1987 Präsident des Europäischen Parlaments und ein engagierter Wegbereiter der deutsch-französischen Verständigung.
Ich gratuliere den beiden Ausgezeichneten herzlich und danke dem Cercle Pierre-Pflimlin, der ihren Arbeiten eine Bühne gibt. Internationale Abkommen und Raumfahrtpolitik berühren dieselbe große Frage: Wie kann Europa seine Zukunft selbst gestalten? Beide Dissertationen geben uns dafür etwas Wertvolles mit: einen genaueren Blick auf die Voraussetzungen, unter denen europäische Zusammenarbeit gelingt.
