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Europa zum Mitdenken und Mitgestalten

Der Europatag ist in jedem Jahr ein ganz besonderes Ereignis. Wenn viele Tausend Menschen rund um den 9. Mai nach Brüssel, Straßburg oder Luxemburg strömen und sich für Europa hinter den Kulissen interessieren. Wenn sie in den Dolmetscherkabinen Platz nehmen, sich selbst an einer Übersetzung wagen, mit den Saaldiensten sprechen oder mit unserem Social-Media-Team ins Gespräch kommen.

Dabei erfährt man oft die spannendsten Geschichten ganz nebenbei. So viele unterschiedliche Wege führen nach Europa und genau diese unterschiedlichen Blickwinkel machen unsere Gemeinschaft aus.

Das Schönste am diesjährigen Europatag war für mich allerdings etwas anderes: zu erleben, wie selbstverständlich Europa längst im Schulalltag in unserer Region verankert ist.

An zwei Tagen war ich unterwegs: zunächst am Gymnasium Am Turmhof in Mechernich, anschließend an der Gesamtschule Eifel in Blankenheim. Zwei Schulen, zwei ganz unterschiedliche Ausgestaltungen des Europatags, aber dieselbe Erfahrung: Junge Menschen wollen über Europa diskutieren, wenn man ihnen zutraut, dass ihre Fragen ernst genommen werden.

Am Gymnasium Am Turmhof entwickelte sich aus der ursprünglich geplanten Gesprächsrunde schnell eine intensive Diskussion über vieles, was Europa derzeit bewegt. Die Schülerinnen und Schüler fragten nach dem Rechtsruck in vielen Mitgliedstaaten, nach wachsender Polarisierung, nach Europas Abhängigkeit von China und den USA, nach Migration, wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und der Frage, wie handlungsfähig die Europäische Union in Krisenzeiten tatsächlich ist.

Dabei ging es nie um einfache Antworten. Die Jugendlichen wollten verstehen, warum politische Entscheidungen oft lange dauern, weshalb europäische Kompromisse kompliziert sind und wie Demokratie unter dem Druck sozialer Medien, Populismus und wachsender gesellschaftlicher Spannungen bestehen kann.

Viele junge Menschen erleben politische Debatten heute vor allem über kurze Videos, Schlagzeilen oder algorithmisch verstärkte Empörung. Umso bemerkenswerter war, wie konzentriert dort diskutiert, widersprochen und nachgefragt wurde.

Einen ganz anderen Zugang zum Europatag zeigte einen Tag später die Gesamtschule Eifel in Blankenheim. Nach dem gemeinsamen Singen der Europahymne verwandelte sich die gesamte Schule in eine europäische Werkstatt: Musik, Austauschprojekte, Spiele, Tanz, europäische Mythen, Escape-Games, Kunstprojekte und Fingerfood aus verschiedenen Ländern liefen gleichzeitig nebeneinander her.

Besonders beeindruckend war die Selbstverständlichkeit, mit der Europa dort Teil des Alltags geworden ist. Mehr als 1.000 Schülerinnen und Schüler haben seit der Gründung der Schule an Austauschprogrammen mit anderen europäischen Ländern teilgenommen. Freundschaften, gemeinsame Projekte und neue Perspektiven sind daraus entstanden.  

Gerade in einer Zeit, in der Europa häufig vor allem entlang von Krisen, Konflikten und geopolitischen Spannungen diskutiert wird, bekommen solche Erfahrungen ein besonderes Gewicht.

Ich bin sehr stolz darauf, dass das an so vielen Orten in unserer Region gelingt.