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Europa auf den Fersen

Wenn Regierungen bei Erasmus+ sparen wollen, gehen damit nicht nur Chancen und wertvolle Erfahrungen verloren, sondern auch Vertrauen in die Europäische Union. Darauf machte EU-Kommissar Glenn Micallef, zuständig für Generationengerechtigkeit und Jugend, am vergangenen Freitag aufmerksam und unterstrich damit die Bedeutung von Erasmus+ für die Zukunft Europas.

Meine beiden Praktikanten Theresia und Mika hatten die Gelegenheit, an der Veranstaltung „The Future of Erasmus+ starts with Youth“ teilzunehmen. Organisiert vom Europäischen Jugendforum, brachte sie junge Menschen aus ganz Europa mit politischen Entscheidungsträgern der EU zusammen, um über die Chancen und Herausforderungen des Programms zu diskutieren.

Im Mittelpunkt der Diskussionen standen insbesondere eine inklusivere Gestaltung des Programms, der Abbau finanzieller Hürden und die unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten in den Mitgliedstaaten.

Dass Erasmus+ weit mehr als ein Auslandsaufenthalt ist, verdeutlichte auch die Präsentation von Andreas Karsten vom RAY-Netzwerk. Die vorgestellten Forschungsergebnisse zu Erasmus+ Jugend und dem Europäischen Solidaritätskorps zeigen: 91 Prozent der befragten Teilnehmenden an Jugendbegegnungen und Freiwilligenprojekten gaben an, durch ihre Teilnahme besser mit Menschen aus anderen Kulturen umgehen zu können. Auch die Verbundenheit mit Europa bewerteten die Befragten höher: Auf einer Skala von 0 bis 10 lag ihr Zugehörigkeitsgefühl vor dem Projekt nach rückblickender Einschätzung durchschnittlich bei 6,8 Punkten, zum Zeitpunkt der Befragung bei 8,2 Punkten. Gleichzeitig machen die Ergebnisse deutlich, dass insbesondere bei der Förderung von Medienkompetenz noch Handlungsbedarf besteht.

Neben den politischen Diskussionen bot die Veranstaltung auch Gelegenheit, mit engagierten jungen Menschen aus ganz Europa ins Gespräch zu kommen und unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen. Dass dabei nicht immer nur die große Europapolitik im Mittelpunkt stand, zeigte Mika schmunzelnd mit einer Anekdote aus dem Austausch mit Tekla aus Ungarn: Dort gilt ein versehentlicher Tritt in die Hacke scherzhaft als Einladung zur Hochzeit. „Dann freue ich mich schon auf meine nächste Ungarnreise“, war seine augenzwinkernde Antwort.

Gerade in Zeiten künstlicher Intelligenz gewinnen Fähigkeiten wie interkulturelle Kommunikation, Teamarbeit, Offenheit und gegenseitiges Verständnis weiter an Bedeutung. Erasmus+ vermittelt genau diese Kompetenzen, die sowohl für das persönliche Leben als auch für den Arbeitsmarkt immer wichtiger werden.

Wie viele Menschen solche Erfahrungen machen können, hängt auch von den anstehenden Haushaltsentscheidungen ab. Mit seiner Position zum neuen Erasmus+-Programm hat das Europäische Parlament diese Woche 47,4 Milliarden Euro für die Jahre 2028 bis 2034 gefordert. Damit wollen wir mehr Austausch an Schulen und Hochschulen ebenso wie in der beruflichen Bildung, bei Freiwilligendiensten und im Breitensport ermöglichen.

Mir ist besonders wichtig, dass Wohnort und Einkommen nicht über die Teilnahme entscheiden. Wer neugierig auf Europa ist, sollte einen Aufenthalt nicht deshalb absagen müssen, weil die Miete vor Ort zu hoch ist. Deshalb setzen wir uns für eine Unterstützung ein, die unterschiedliche Lebenshaltungskosten stärker berücksichtigt.

In den Gesprächen mit den Mitgliedstaaten wird es nun darum gehen, diese Möglichkeiten im nächsten europäischen Haushalt verlässlich abzusichern. Denn was Theresia und Mika im Kleinen erlebt haben, trägt auch im Großen: Europa wächst zusammen, wenn Menschen einander begegnen.