Königlicher Besuch mit starker Botschaft
Königlicher Besuch verdient einen angemessenen Empfang. Und so betraten 21 Sternsingerinnen und Sternsinger aus sechs Nationen am Mittwochvormittag über den VIP-Eingang das Europäische Parlament. „Gleich beim Eingang sind wir über einen roten Teppich gegangen und wurden fotografiert – fast so, als wären wir Stars,“ war die dreizehnjährige Valerie aus Oberösterreich viele Stunden später noch ganz überwältigt.
Im eigens reservierten Protokollraum Nummer 4 wurden zunächst die Jacken abgelegt. Taschen verschwanden unter Stühlen, dann begann die Verwandlung. Festliche Gewänder wurden ausgebreitet, Kronen aufgesetzt, zurechtgerückt. Der selbst gebastelte Stab mit dem hellgelben Stern wurde fest in die Hand genommen – als gehöre er genau hierher.
Wenig später reichte im Presidential Salon eine einzige Probe. Alle Lieder saßen perfekt, der feierliche Empfang konnte beginnen. Als die Kinder anschließend in ihren jeweiligen Landessprachen von den Botschaften erzählten, die sie mitgebracht hatten, war es mucksmäuschenstill im Raum: Millionen Kinder auf der Welt können nicht zur Schule gehen. Statt zu lernen, zu spielen oder Sport zu treiben, arbeiten sie – in Fabriken, auf Baustellen, oft unter Bedingungen, die ihnen jede Kindheit nehmen. Sie schleppen Steine, sammeln Elektroschrott, weil ihre Familien arm sind, weil es keine Absicherung gibt, keine Krankenversicherung, keine Alternative. Und weil es immer noch Menschen gibt, die Kinder als billige Arbeitskräfte ausbeuten. Dass das ungerecht ist. Dass jedes Kind das Recht auf Bildung hat, auf Spiel, auf Schutz und auf eine sichere Kindheit – so, wie es in den Kinderrechten der Vereinten Nationen festgeschrieben ist.
Das erste von vielen Gesprächen an diesem Tag führten die Kinder mit Präsidentin Metsola, die sich viel Zeit nahm, herzlich nachfragte und sich für den bewundernswerten Einsatz der Kinder bedankte. Einige von ihnen waren bereits um drei Uhr in der Frühe aufgebrochen, um rechtzeitig in Brüssel zu sein. Danach ging es zurück in den Protokollraum. Obst wurde verteilt, Kekse ausgepackt, Wasserflaschen geöffnet. Ein kurzer Moment zum Durchatmen, ehe sich die Gruppe erneut aufteilte.
In kleinen Teams machten sich die Sternsingerinnen und Sternsinger auf den Weg durch das Haus, verteilten Segenszeichen an vielen Türen und beantworteten jede Menge Fragen. Am späten Nachmittag sammelte sich die Gruppe wieder im Protokollraum – erschöpft, aber überglücklich und mit vielen Spenden im Gepäck.
Als sie sich am Abend auf den Weg nach Hause machten, blieb auf dem roten Teppich am rückwärtigen Eingang des Parlaments ein winziger Goldstern zurück.
Der Empfangsbereich war wieder still. Fast wie immer. Nur ein bisschen heller als zuvor.
