Illegales Online-Glücksspiel: Die Zeit für taktische Spielchen ist vorbei!
Glücksspiel kann zur Sucht werden – und illegale Online-Casinos nutzen genau das skrupellos aus. Mit aggressiver Werbung, intransparenten Strukturen und gezielter Ausbeutung von Spielsuchtgefährdeten machen sie Milliarden. Und das oft mitten in Europa.
Nationale Behörden setzen diese Anbieter auf schwarze Listen, aber die Betreiber nutzen rechtliche Schlupflöcher, um sich den Verboten zu entziehen. Während Betroffene um ihre Existenz kämpfen, untergraben diese Machenschaften den Rechtsstaat.
Viele dieser illegalen Plattformen sitzen offiziell in Zypern, Malta oder Gibraltar (Großbritannien) – oder agieren aus Steuerparadiesen wie Curaçao. In Wahrheit sind sie jedoch in einem undurchsichtigen Netzwerk aus Tarnfirmen verstrickt, das sich gezielt der Regulierung entzieht. Trotz schwarzer Listen in EU-Staaten erreichen diese Seiten weiterhin Millionen von Spielern. Die Betreiber nutzen perfide Methoden: VIP-Programme, Kredite für Spielsuchtgefährdete und Influencer-Marketing auf Social Media. Dass ein illegales Casino sogar als offizieller Wettpartner eines europäischen Spitzenklubs auftreten kann, zeigt, wie tief das Problem reicht. Viele Betroffene kämpfen um ihr verlorenes Geld – aber wenn die verantwortlichen Firmen plötzlich bankrottgehen oder in Offshore-Geflechten verschwinden, bleibt am Ende nur die Verzweiflung. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Aufsichtsbehörden und Anbietern, das den falschen Akteuren skrupellose Gewinne auf Kosten der Betroffenen ermöglicht.
Besonders drastisch zeigt sich die Problematik in Malta. Dort wurde das Gesetz "Bill 55" verabschiedet, das illegale Online-Casinos und Sportwetten-Anbieter effektiv vor europäischen Sanktionen schützt. Während andere EU-Staaten illegales Glücksspiel bekämpfen, schafft Malta mit diesem Gesetz dreist eigene Wettbewerbsvorteile – auf Kosten der gesamten Union. Bereits vor fast zwei Jahren habe ich die EU-Kommission aufgefordert, Stellung zu beziehen und zu prüfen, ob Bill 55 gegen europäisches Recht verstößt. Doch bisher verweist die Kommission lediglich darauf, dass sie noch immer in Gesprächen mit den maltesischen Behörden sei. Eine klare Antwort oder gar Konsequenzen gab es auch nach fünfmaligem (!!!) Nachfassen, zuletzt im Januar dieses Jahres, nicht.
Bei allem Verständnis dafür, dass sich die neue Kommission erst formieren und angesichts der geopolitischen Dynamik der Ereignisse in den letzten Wochen und Monaten, zunächst drängenderen Themen widmen musste, aber so langsam ist die Zeit der Ausweichmanöver wirklich vorbei. Es reicht nicht, illegale Anbieter einfach auf schwarze Listen zu setzen. Die EU braucht einen entschlossenen, einheitlichen Kurs: Gemeinsame Sperrlisten, striktere Regulierung für Zahlungsanbieter und ein effektives Werbeverbot für illegale Plattformen sind unverzichtbar. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich illegale Anbieter weiterhin ungehindert durch das europäische System bewegen und die Lücken ausnutzen.
Sie können sich darauf verlassen, dass ich so lange dranbleibe, bis wir konkrete Schritte gehen, die den Rechtsstaat verteidigen und unsere Bürger schützen. Europa darf nicht zuschauen, wie der Rechtsstaat ausgehöhlt wird. Denn das Problem ist nicht nur eines des Online-Gamblings: Es rüttelt an den europäischen Grundfesten. Man stelle sich nur vor, jedes Mitgliedsland würde nationale Gesetze erlassen, die europäische Verordnungen außer Kraft setzen. Dann wäre das ein finaler Schlag für die Integrität der Union.