Frieden, Wohlstand, Demokratie

„Europa lässt sich nicht mit einem Schlage herstellen und auch nicht durch eine einfache Zusammenfassung. Es wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen.“

Mit diesen Worten beschrieb Robert Schuman vor 75 Jahren seine Vorstellung einer europäischen Einigung. Beim gestrigen Festakt zur erstmaligen Verleihung des Europäischen Verdienstordens im Straßburger Plenarsaal wirkten sie aktueller denn je.

Als Erste Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments hatte ich die besondere Freude, Angela Merkel am Eingang des Parlaments in Empfang zu nehmen und sie in den Plenarsaal zu begleiten.

Unter den ersten Trägerinnen und Trägern des Ordens waren der frühere polnische Präsident und Solidarność-Gründer Lech Wałęsa, die moldauische Präsidentin Maia Sandu, die Menschenrechtsanwältin Oleksandra Matviichuk, der Basketballspieler Giannis Antetokounmpo, der Koch und Gründer von „World Central Kitchen“ José Andrés, der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet sowie die Musiker der Band U2. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wurde in den Orden aufgenommen.

Politiker, Künstler, Wissenschaftlerinnen, Sportler und Menschenrechtsverteidiger standen nebeneinander — verbunden durch ihren Einsatz für Demokratie, Freiheit und europäische Zusammenarbeit.

Parlamentspräsidentin Roberta Metsola erinnerte daran, dass Europa nie „einfach geschenkt“ worden sei, sondern „Vertrag für Vertrag und Krise für Krise“ gewachsen sei.
Angela Merkel griff diesen Gedanken auf, richtete den Blick jedoch deutlich stärker auf die Gegenwart Europas. Frieden, Wohlstand und Demokratie seien über Jahrzehnte die großen europäischen Versprechen gewesen. Heute stünden alle drei unter Druck.

Merkel plädierte deshalb dafür, den europäischen Kurs unbeirrt fortzusetzen, auch mit dem Wissen, dass nicht jede Entscheidung sofort perfekt sein werde.

Der neue Europäische Verdienstorden richtet den Blick auf Menschen, die Europa geprägt, verteidigt und zusammengehalten haben. Nicht als historische Figuren, sondern als Teil einer europäischen Geschichte, die bis heute fortgeschrieben wird.

Hintergrund:

Der Europäische Verdienstorden wurde 2025 anlässlich des 75. Jahrestags der Schuman-Erklärung geschaffen. Er ist die erste Auszeichnung dieser Art, die direkt von einer europäischen Institution verliehen wird. Vorschläge können unter anderem von den Präsidentinnen und Präsidenten der europäischen Institutionen sowie von den Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten eingereicht werden. Über die Aufnahme entscheidet eine unabhängige Jury. Jedes Jahr sollen bis zu zwanzig Persönlichkeiten in den Orden aufgenommen werden.

 

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