Ein Ticket für Europa
Innerhalb Europas zu reisen ist einfacher geworden. Verlässlich mit der Bahn durch mehrere Länder zu fahren, dagegen oft erstaunlich kompliziert.
Wer heute von Euskirchen über Köln nach Wien reist und wegen einer verspäteten Regionalbahn den Anschluss verpasst, trägt bislang häufig selbst das Risiko. Bei Buchungssystemen, Ticketdaten und Fahrgastrechten endet Europa nicht selten schon nach dem ersten verpassten Anschluss.
Besonders sichtbar wird das bei internationalen Bahnreisen mit mehreren Etappen. Fällt ein Regionalzug aus oder verspätet sich eine Verbindung, stehen Reisende schnell vor einem Problem: Der Anschlusszug wartet nicht, das Ticket gilt nur für einen Teil der Strecke und zuständig fühlt sich am Ende niemand.
Die Europäische Kommission will diese Zersplitterung nun mit einem neuen Maßnahmenpaket aufbrechen.
Künftig sollen Buchungsplattformen und große Bahnunternehmen verpflichtet werden, Angebote neutral darzustellen. Bislang können personalisierte Daten, bezahlte Platzierungen oder geschlossene Systeme dazu führen, dass Reisende unterschiedliche oder unvollständige Verbindungen angezeigt bekommen.
Zudem sollen große Anbieter ihre Ticket- und Fahrplandaten künftig mit anderen Plattformen teilen müssen. Auch kleinere Bahnunternehmen sollen sichtbarer werden und ihre Tickets über größere Plattformen verkaufen können, wenn sie das wünschen. Gerade daran gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Kritik, weil marktbeherrschende Unternehmen den Zugang zu ihren Systemen häufig erschwert oder verzögert haben.
Die Kommission setzt dabei auf das sogenannte FRAND-Prinzip: Bedingungen sollen im Verhältnis zwischen großen Marktführern und kleineren Anbietern fair, angemessen und diskriminierungsfrei sein.
Auch die Fahrgastrechte sollen angepasst werden. Wer künftig internationale Bahnreisen über mehrere Etappen oder verschiedene Plattformen bucht, soll im Fall von Verspätungen besser geschützt sein.
Gleichzeitig sieht die Kommission Haftungsgrenzen vor. Kleine regionale Anbieter sollen nicht unbegrenzt für Folgekosten internationaler Langstreckenverbindungen haften müssen.
Die Vorschläge greifen damit einen Widerspruch auf, der den europäischen Bahnverkehr seit Jahren prägt: Während grenzüberschreitende Mobilität längst selbstverständlich geworden ist, funktionieren Ticketsysteme, Datenzugänge und Fahrgastrechte vielerorts weiterhin nach nationaler Logik.
