Ein Publikum hört hin: Sorda – Der Klang der Welt gewinnt den LUX Audience Award 2026

Gerade ist der Name gefallen. Für einen Augenblick wird es still im Plenarsaal des Europäischen Parlaments, dann hebt Applaus an, der nicht enden will. Unter stehenden Ovationen erhält am Dienstagabend die spanische Produktion Sorda – Der Klang der Welt (Regie: Eva Libertad, 2025) den LUX Publikumspreis 2026.

Bildunterschrift
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Der Film richtet den Blick auf Situationen, in denen Verständigung nicht selbstverständlich ist. Gespräche laufen weiter, Entscheidungen werden getroffen – aber sie erreichen nicht alle. Sorda – Der Klang der Welt entwickelt daraus eine präzise, zurückhaltende Erzählung, die aus genauer Beobachtung lebt.

Dass dieser eindringliche Film die Stimmen des Publikums auf sich vereint, entspricht der Idee des LUX-Preises. Seit 2007 steht der Preis dafür, europäisches Kino für ein breites Publikum erlebbar zu machen – über Sprachgrenzen hinweg und in allen Mitgliedstaaten. Untertitel in den Amtssprachen der Europäischen Union, Vorführungen in ganz Europa und eine Bewertung, an der sich Zuschauerinnen und Zuschauer unmittelbar beteiligen, prägen dieses Konzept. Der Preis wird vom Europäischen Parlament gemeinsam mit der European Film Academy, der Europäischen Kommission und dem Europa-Cinemas-Netzwerk vergeben; die Stimmen des Publikums und der Abgeordneten fließen jeweils zur Hälfte in das Ergebnis ein.

Mehr als 120.000 Menschen haben die Filme in den vergangenen Monaten in den Kinos gesehen, 21.319 haben ihre Bewertung abgegeben. Insgesamt wurden 950 Screenings in allen 27 Mitgliedstaaten organisiert. Gemeinsam mit den Stimmen der Mitglieder des Europäischen Parlaments entsteht daraus die Entscheidung, die sich im feierlichen Moment der Preisverleihung bündelt.

Sabine Verheyen, Erste Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments:

„Der LUX Audience Award rückt Filme in den Mittelpunkt, die unseren Blick über die eigene Erfahrung hinaus öffnen. Der diesjährige Gewinner Deaf tut genau das – mit Mut, Wärme und einer seltenen Authentizität.

Regisseurin Eva Libertad eröffnet uns einen eindringlichen Zugang zum Leben einer gehörlosen Frau, die Mutterschaft in einer Welt erlebt, die nicht auf sie ausgerichtet ist. Getragen von der herausragenden Darstellung der gehörlosen Schauspielerin Miriam Garlo fordert uns der Film heraus, anders zuzuhören – und ein Europa zu gestalten, in dem niemand ungehört bleibt.“

Die diesjährige Auswahl zeigt die enorme Bandbreite des europäischen Films: Sentimental Value richtet den Blick auf familiäre Bruchlinien, die über Jahre nachwirken. It Was Just An Accident entfaltet aus einem scheinbar beiläufigen Ereignis weitreichende Folgen. Christy begleitet einen Jugendlichen in einer Phase des Umbruchs. Love Me Tender zeichnet den Weg einer Frau nach, die sich gegen Erwartungen behauptet. Sorda – Der Klang der Welt nimmt darin eine eigene Position ein: als Werk, das Wahrnehmung verschiebt und den Blick für das schärft, was im Alltag oft übersehen wird.

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